Karpaten Wandern – Eine Alternative für die Alpen?

Nach einem Haufen von Wanderungen in den verschiedenen Regionen der Alpen hatten wir uns dieses mal für etwas ganz anderes entschieden. Die Anreise per Flug von Frankfurt Hahn nach Timisoara war schon ein anderes Kaliber als unsere Anreisen per Auto in die Alpen. Eine Stunde Anreise zum Flughafen Hahn, drei Stunden Flug, Auto mieten am Flughafen Timisoara und ca. 3 Stunden Fahrt nach Rausor in Auf dem Weg zum Karpaten Wanderden Süd-Karpaten.

Der Retezat National Park war unser Ziel. So sehr viel länger als in die Alpen mit Stau war das eigentlich gar nicht – aber es war mal ganz anders. Bespielsweise mussten wir auf den letzten Kilometern im Mietwagen öfter halten, um Kühe, Ziegen oder Schafherden durchzulassen. Echt sehr ursprünglich – man denkt über eigene Ansprüche und Lebensweisen nach. Aber wie wird das Karpaten Wandern im Vergleich zu den Alpen abschneiden?

Karpaten Wandern fast wie in den Alpen – nur ganz anders

Wie so oft war unsere Vorbereitung am Abend vor unserem „Karpaten Wandern“ nicht so ganz optimal, um einen Sack voll Höhenmetern zu bewältigen. Das rumänische Bier hatte auf alle Fälle den ersten Test mehr als bestanden. Das wir die letzten Biere unter einem pechschwarzen Sternenhimmel in einem Hot Tub vor unserer Unterkunft tranken, war natürlich die Krönung -allerdings kurz unterbrochen, als einer von uns mit dem Kopf auf den Beckenrand knallte – wir brauchen keine Karpaten Bären, um uns zu verletzen. Ist aber alles gut gegangen.

Das Frühstück war ähnlich bescheiden, wie das Abendessen. Wir waren aber ja nicht für eine Kochsendung unterwegs, sondern wollten Spaß haben und Wandern. Wie auch in den Alpen heißt es dann am morgen hinein in die Wanderklamotten und den Rucksack gepackt. Die nächste Nacht sind wir ja in einer anderen Cabana, also muss alles mit. Über die Jahre hat jeder von uns das Gewicht seines Rucksacks optimiert – kein Platz für Übergangsjacken, aber immer noch schwerer als gewollt.

Das Anziehen der Wanderschuhe erinnert mich dann immer ein bisschen an Skiurlaub. Mit leichtem Brummschädel, Kopf nach unten sich in schwere Schuhe drücken, die man sonst nie trägt, ist nicht gerade der optimale Start in den Tag. Super war allerdings das Wetter. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, die Berge vor uns, der Hot Tub mit den Erinnerungen an den gestrigen Abend neben uns, so standen wir dann so gegen halb zehn vor unserer Cabana.

Karpaten Wandern – Über Skipisten, Waldwege und Felsmassive im Retezat Gebirge

Ausblick beim Karpaten Wandern
Ausblick beim Aufstieg in Rausor

Am Ortsrand standen wir vor einem für die frühen Morgenstunden recht steilen Hang. Im Winter wird dieser Berg als Skigebiet genutzt, der Skilift und Schneekanonen vor uns waren der Beweis. Der Besitzer der Cabana Pensiunea Clif Alpin Rausor der übrigens perfekt englisch sprach, da er jahrelang in Chicago lebte, sagte uns, dass viele holländische Familien hier im Winter Skifahren. Na wenn das nicht wie in den Alpen ist.

Axel beim Karpaten Wandern
Bestes Wetter, tolle Wege

Wir starteten unser Karpaten Wandern und schnauften uns den ersten Hang im Retezat Gebirge hoch. Das Wetter blieb hervorragend und wir schraubten uns so langsam in die Höhe. Die Ausblicke wurden immer spektakulärer. Andere Wanderer zu dieser Zeit nicht zu sehen. Der Puls beruhigte sich so langsam, die ersten Schweißausbrüche waren überstanden, der Körper hatte verstanden, dass Anstrengung angesagt war.

Karpaten Wandern – 1200 Höhenmeter im Retezat Gebirge der Südkarpaten

Geröllfeld beim Karpaten Wandern
Geröllfeld auf dem Bergkamm

Ich glaube wir sind so ca. zwei Stunden über gut begehbare Waldwege gewandert. Unser erstes Zwischenziel sollte eine Cabana werden die allerdings nicht ganz auf dem Weg lag. Als wir einen ersten Bergkamm erreichten, konnten wir sie sehen. Sie lag traumhaft an einem Berghang mit tollem Blick über das bewaldete Tal unter blauem Himmel. So langsam konnten wir besser einschätzen, was laut Karte beim Karpaten Wandern noch so vor uns lag und wie lange es so dauern würde. Da lag noch ein weiter Weg vor uns und nicht immer ganz klar, wie so das Streckenprofil sein wird. Wir entschieden daher, die Cabana nicht zu besuchen und den Weg direkt fortzusetzen. Er ging dann kurz durch einen Wald mit Krüppelkiefern und dann über ein langes Stück mit Felsen und Geröll verschiedener Größen. Super Ausblick auf beiden Seiten des Kamms. Auf der einen Seite konnte man weit in die Ebene schauen. Immer noch bestes Wetter. Wir vermissten die Alpen schon lange nicht mehr. Es ging weitere 2 Stunden über die recht anstrengenden Felsblöcke bergauf. Ab und zu blies der Wind recht stark von der Seite, man musste aufpassen, dass man nicht aus dem Tritt kam.

Hund beim Karpaten Wandern
Karpatenhund auf 2.000m

Wir holten eine Wandertruppe ein, die vor uns ging. Der weiße alte Hund, der auf einmal vor mir stand, gehörte sicher zu dieser Truppe. Ich klopfte ihm auf den Rücken und er guckte mich etwas teilnahmslos an. Das Fell war extrem dick und dicht und fühlte sich an wie ein Wildschwein. Er lief dann eine kurze Zeit mit uns mit. Er gehörte nicht zu den Wanderern, die wir trafen. Anscheinend lebt er dort auf ca. 2000 m. Ich war mir nicht mehr so sicher, ob es so gut war ihn angefasst zu haben. Aber es lief alles gut und der Hund verschwand irgendwann hinter einem Felsen und blieb in dieser recht kargen Welt zurück. Die Baumgrenze lag auch schon etwas unter uns. Die Geschichte des Hundes interessiert mich, sie wird aber ein Geheimnis bleiben.

Karpaten Wandern – Der Rückweg ins Tal

Nach 1200 Höhenmetern waren wir fast oben angekommen. Immer noch mit einem atemberaubenden Blick in alle Richtungen. Karpaten Wandern war wirklich traumhaft. Auch anstrengend, was wir ja auch wollen und ein wenig anspruchsvoll, weil man über verschiedene Felsblöcke kraxeln musste.

Karpaten Wandern Route
Das war der Plan

Mittlerweile konnten wir die Karte sehr gut einschätzen. Der Weg zu der nächsten Cabana, wo wir übernachten wollten, war weiter als wir anfänglich angenommen hatten. Es würden noch 200-300 Höhenmeter weiter nach oben gehen. Man konnte ein gutes Stück dieser Strecke sehen. Es ging nochmal sehr viel steiler bergan mit einigen Passagen, die etwas schwieriger sein würden. Für geübte Wanderer sicher problemlos, das sind wir aber nicht alle. Auf der Karte konnte man erkennen, dass es dann danach noch eine ziemliche Entfernung bis zu unserer nächsten Unterkunft sein würde.

Es boten sich dort oben gute Alternativen. Wir konnten links ins Tal zu der Cabana wandern, die wir anfänglich ausgelassen hatten oder rechts runter ins andere Tal und dort zurück zu unserem Ausgangspunkt. Wir schätzten den Rückweg zum Ausgangspunkt auf weitere 2-3 Stunden. In der Summe wären es dann ca. 7 Stunden mit 1200 Höhenmetern rauf und wieder runter. Der Großteil von und fand das ausreichend. Der Blick in das Tal hier im Retezat Gebirge, durch das wir wandern würden, war auch sehr vielversprechend. Helle Felsen, vereinzelte Kiefern und Büsche, Bachläufe und weiter unten dichte Wälder – ein bisschen wie in den alten Karl May Filmen. Wir entschieden uns daher zum Ausgangspunkt zurückzuwandern und von dort eventuell zu der Cabana durch Tal.

Retezat Abstieg
Traumhafter Weg zurück

Wir liefen los und es war wirklich ein traumhafter Abstieg. Unsere Wasservorräte wurden allerdings etwas knapp. Glücklicherweise trafen wir nach einiger Zeit bergab ein Pärchen mit Hund an einem Gebirgsbach. Wir waren nicht sicher, ob das Wasser aus dem torfigem Bachlauf so ok zum Trinken ist. Das Pärchen war super nett und gab uns aus dem riesigen 5 Liter Wasserkanister, den sie für ihren Hund Bruno dabeihatten, etwas ab.  Wir gingen dann die ca. zwei Stunden bergab und Bruno ließ seine Besitzer zurück und begleitete uns dabei. Er zeigte uns die ein oder andere Abkürzung.

Meine Beine wurde immer schwerer, die Knie immer klappriger und ich eierte die letzten Höhenmeter zurück zum Anfang unserer Karpaten Wanderung.

Karpaten Wandern – der Abend danach

Retezat Unterkunft
Kleine Ferienhäuser für zwei Personen

Alle hatten eigentlich genug für diesen Tag und wir fuhren mit unserem Mietwagen aus dem Tal heraus und ins nächste Tal hinein, um zu unserer gebuchten Unterkunft für die nächste Nacht zu gelangen. Dieses Tal war auch traumhaft schön mit einigen Wochenendhäusern und Pensionen. Ziemlich am Ende des bewohnten Teils dieses Tals fanden wir dann unsere Cabana. Glücklicherweise war die Buchung aber irgendwie untergegangen. Die Unterkunft war nicht besonders prickelnd. Extrem einfach, dunkel und wirkte auch unsauber. Man erzählte uns später auch von Läusen in den Betten. Es war kein Problem eine sehr gute Alternative in Rau de Mori zu finden. Sie hieß Casa Bavaria (leider online nicht zu finden) und wird sehr liebevoll von einem Rumänen betrieben, der jahrelang in Groß-Gerau gearbeitet hat.

Casa Bavaria
Casa Bavaria in Rau de Mori

Wir bekamen jeweils zwei kleine Fereienhäuser zugeteilt, duschten und gingen dann direkt gegenüber in das Restaurant Pensiunea Retezat. Bisher trafen wir viele Rumänen, die neben ihrer Muttersprache auch gut englisch sprechen konnten. Hier sprach man französisch, was fälschlicherweise den Eindruck einer speziellen Küchenleistung erweckte. Wir bestellten dann nach Ratschlag der Kellnerin den landestypischen Vorspeisenteller – gleich zweimal. Da wir schon befürchteten, einen Berg an Wurst und Speck zu bekommen, klärten wir noch vorab, dass wir gerne auch Käse und z.B. Tomaten dazu hätten. Die beiden Teller kamen und man hatte tatsächlich einen Block quietschenden Schafkäse und eine ganze Fleischtomate dazugelegt. Der Rest war der befürchtete Berg an recht fetten Würsten und Speck.  Wir bevorzugten dann doch lieber das leckere rumänische Bier und gaben unter dem Tisch den größten Teil unseres Essens an einen streunenden Hund, der seit dem bestimmt Probleme mit seiner Figur hat.

Wir hatten wie immer einen lustigen Abend und wußten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welches Unwetter am nächsten Tag in Timisora über uns hinwegzieht.

Link zur Vorbereitung unserer Wanderung

 

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