Das „alte“ Dubai – Ein ganz klein bisschen Lawrence von Arabien

Dass Dubai auch weniger glitzernd und größenwahnsinnig, aber ähnlich spannend und aufregend geht, bewies unser Besuch im „alten Dubai“. Dabei muss man wissen, dass die ersten Ansiedlungen mehrere Tausend Jahre alt sind, der Boom der Stadt aber erst mit den ersten Ölfunden vor mehr als 50 Jahren begann. Entsprechend rar sind aus europäischer Sicht wirklich alte Gebäude.

Dennoch lohnt sich ein Besuch des Stadtteils Deria mit seinen kleinen Gassen, Märkten und Cafes. Hier ist die zentrale Lebensader der Dubai Creek, ein Meeresarm des Persischen Golfes, der einige Kilometer ins Landesinnere fließt. Da sich das Leben auf beiden Seiten des Creeks abspielt, empfiehlt sich als Startpunkt eine nur wenige Minuten dauernde Bootstaxifahrt von der einen zur anderen Seite. Diese kostet nur wenige Cent und gibt einem das Gefühl, wenigstens für kurze Zeit Teil des aktiven Lebens der Handel treibenden Einwohner der Stadt zu sein. Am Ufer liegen Dutzende der traditionellen Abra-Boote, die oft buntbemalt eine wunderbare Fotokulisse abgeben. Wer dieses Ambiente etwas länger genießen mag, dem sei eine ein- bis mehrstündige Bootstour empfohlen, die man an vielen Stellen buchen kann. Achtung, unbedingt den Preis vorher aushandeln und das Feilschen nicht vergessen. Die Preise schwanken entsprechend stark nach Verhandlungsgeschick!

Die Souks von Dubai: „Schau ma, guck ma Aldipreis, Lidlpreis“ oder die hohe Kunst des Feilschens

Highlights von Deria sind die unterschiedlichen Märkte, die Souks. Dicht und fußläufig nur wenige Meter auseinander auf der einen Seite des Creek sind der Gold-Souk und der Gewürz-Souk. Beide bieten einen hohen Unterhaltungswert, wenn man kein Problem damit hat, permanent auf der Straße angequatscht und in eines der Geschäfte gelotst zu werden. Zumindest in einen der Schmuck-Läden sollte man sich dennoch einmal locken lassen. Mit wirklichen Schnäppchen ist hier allerdings nicht zu rechnen, außer man stuft eine „garantiert“ echte Rolex-Uhr für unter 50 € als solches ein.

Unendliche Vielfalt an Gewürzen

Ein wirkliches Muss ist der Besuch eines möglichst traditionell aussehenden Gewürzladens. Die bunte Mischung an unterschiedlichsten Gerüchen und visuellen Highlights sind einzigartig. Großartige Fotomotive finden sich hier überall. Gleiches gilt auch für die Fähigkeit der Verkäufer, einen nicht unter 3 Kilo Gewürzen aus dem Laden gehen zu lassen. Dabei verfügen die Händler scheinbar über die Gabe immer die vorher genannte Menge eines bestimmten Gewürzes auf das Gramm genau mit einer Schaufel in ein Plastiksäckchen abfüllen zu können. Jedenfalls zeigt die Waage immer den gewünschten Wert an. Und auch hier gilt: Schnäppchen macht man hier nicht, zumindest nicht, wenn man wie ein Tourist aussieht. Dafür wird Männern ein breiter Strauß an angeblich potenzsteigernden Mittelchen angeboten (wer hier Erfahrungen bezüglich der Wirksamkeit gemacht hat, darf dies gerne mit einem Kommentar tun).

Überquert man den Creek, stößt man im „Al Fahidi Historical District“ auf ein mehr oder weniger gut restauriertes arabisches „Dorf“ (mit kleinen Läden, dem Al Fahidi-Fort. Es handelt sich um das älteste existierende Bauwerk Dubais (errichtet 1890). Den leckersten Hummus und köstlichen Tee kann man in dem wirklich guten arabischen Teahouse Restaurant „Basta Art Cafe“ zu sich nehmen. Angrenzend findet man den indisch-pakistanischen Souk mit Stoffen, Kleidung und indischen Waren und einer Vielzahl interessanter Gerüche und Farbimpressionen. Wir haben uns zwei „angeblich“ einzigartige Kaschmirschals gekauft, die uns mit dem hier sehr häufig getätigten Ausruf „Schau ma, guck ma, Aldipreis, Lidlpreis“ feilgeboten wurden.

Wichtig ist beim Einkauf die Fähigkeit mindestens so gut feilschen zu können wie Brian in „Das Leben des Brian“. Die beiden Schals sollten nämlich gemäß ihrer Einzigartigkeit zunächst 1.600 Dirham (= 400 €) kosten. Nach rund 15 Minuten mehrmaligen Aufstehens, Verlassen des Ladens, wieder zurückgeholt Werdens und lautstarken Lamentierens gingen die beiden guten Stücke dann für 200 Dirham (= 50 €) in unseren Besitz über. Ich denke beide Seiten fühlten sich nicht schlecht nach dem Deal.


Danach haben wir noch das nahegelegene „Dubai Museum“ besucht, das einen netten, kurzen Einblick in die Historie Dubais gibt und in einem restaurierten Fort untergebracht ist.
Auf eine weitere Empfehlung eines Einheimischen hin und weil uns die Bootsfahrt auf dem Creek so gefallen hat, sind wir danach mit der Metroline bis zur Station Creek gefahren (Endstation der „Green Line“, einmal umsteigen). Nach einem kurzen Lauf von der Stadion zu einer Bootsanlegestelle sind wir dann mit dem Bootstaxi für 6 Dirham zur auf der anderen Creekseite liegenden Festival City Mall gefahren, die erstens eine wesentlich relaxtere Möglichkeit zum Shoppen und zweitens eine ebenfalls sehenswerte dreidimensionale Wasserfontänenshow bietet. Diese haben wir von der Außenterrasse des Restaurants „Al Fanar“ genossen. Authentisches, leckeres emiratisches Essen zu fairen Preisen.
Zurück ging es dann zum Hotel mit dem Taxi, das für die knapp 15 Kilometer nicht mehr als 10 Minuten benötigt.

Mein persönliches Fazit: Den kritischen Blick nicht verlieren

Dubai ist eine faszinierende Stadt, die einen schnell in seinen Bann zieht. Dabei muss man sich von vornherein darüber im Klaren sein, dass die Stadt eine sehr künstliche „Orient-Light“- bzw. „Orient-for-Beginners“-Version liefert und dass es den Machern der Stadt vor allem darum geht, den Besuchern Rekordbauwerke und Glanz, aber auch ein hohes Servicelevel zu liefern. Die Menschen mit denen wir Kontakt hatten sind sehr zuvorkommend, hilfsbereit und offen und wir haben uns entsprechend wohl gefühlt. Zwei bis drei Tage Aufenthalt reichen für einen solchen Aufenthalt vollkommen aus. Ein Blick in das Leben der einfachen Bevölkerung und vor allem auf die oft schlimmen Bedingungen unter denen die asiatischen und afrikanischen Gastarbeiter, die diesen Glanz erst möglich machen, zu leiden haben, bleibt einem bei einer solchen Reise verwehrt. Da sollte man sich nichts vormachen!

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