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Tag 7 – Ramallossa – Vigo – 21 KM

Der siebte Tage war mit insgesamt 21 KM auch ein recht entspannter Fußmarsch der nach Vigo führte, einer Hafen- und Industriestadt mit 293.000 Einwohnern und die größte Galiciens.

Allerdings wurde die Freude schnell getrübt, denn diese Stadt hatte für einen kurzen Aufenthalt nicht viel zu bieten und war geprägt durch furchtbaren Verkehrslärm und unansehnlichen Gebäuden, in denen leider auch mein Nachtlager untergebracht war. Ein Hotel welches die besten Jahre schon vorüber hatte und heute eher auf Stundenbasis angemietet wird. Hier galt es nur noch schnell die Nacht zu überstehen und wieder raus zu finden.

Den Abend genoss ich allerdings in dem Fischrestaurant La Espuela, was von außen nicht unbedingt den Eindruck erweckte, aber auch einmal den bekannten und bereits verstorbenen Physiker Stephen Hawking im Jahr 2014 bewirtete und eine tolle Speisekarte bot.

Tag 8 – Vigo – Arcade – 23 KM

Raus aus der Stadt – was ein Glück – zurück in die Natur. Heute bin ich weiter vorangekommen als ursprünglich geplant und habe nach 23 KM das Städtchen „Arcade“ erreicht. Ein wichtiger Meilenstein, denn so konnte ich noch einen zusätzlichen Tag herausholen, den ich für die Routenvariante „Espiritual“ benutzen konnte,  bei dieser geht es das letzte Mal noch einmal ans Meer.

Tag 9 – Arcade – Armenteira – 35 KM

Heute war früher Aufbruch angesagt, aufstehen noch im dunklen, es mußte Armenteira  erreicht werden, eine ehemalige Zisterzienserabtei in der Provinz Pontevedra, ein Bergdorf mit entsprechendem, schweißtreibenden Anstieg.

Es war ein Horrormarsch, 35 KM lang bei stehender Hitze, ohne Abkühlung und mit anfliegender Erkältung. Humpelnd und erschöpf erreichte ich letztlich die Unterkunft, eine Herberge mit einem gemischten Schlafsaal für 35 Personen, der komplett voll war.

Vom Altersdurchschnitt her zählte man mich insgeheim zum Senior. Das letzte Bett gehört mir. Es hieß es nur noch, schnell was essen, ein paar Biere aus dem Getränkeautomaten und dann ab ins Lager.

Die Beschwerlichkeit des Gehens

Tag 10 – Armenteira – Vilanova de Arousa – 25 KM

Um 6:30 ist Schlafenszeit beendet, Rücksicht gibt es hier nicht. Pilger reden und packen ihre Rucksäcke ohne Pause. Sonnenaufgang ist erst um 8:45 – wohin so früh?

Als letzter die Herberge verlassen, aber dafür einen fantastischen Sonnenaufgang erlebt. Es ging entlang auf der „Ruta dos Muiños“, ein wunderschöner Weg entlang eines Baches, gesäumt von alten, romantischen Mühlen-Bauwerken. Nach mühseligen 25 KM, mit Erkältung und Lustlosigkeit habe ich dann doch noch Stadt Vilanova, an der Mündung „des Rio Ulla,“ erreicht. Nach einer Nacht im Schlafsaal wurde es diesmal wieder ein kleines und günstiges Hotelzimmer. Leider waren hier alle Tavernen noch geschlossen, so bleib nur eine Imbissbude und ein „Roter“ aus dem Supermarkt.

Die Nacht gestaltete sich als äußerst lärm erfüllt, bedingt durch eine 70 köpfige Gruppe, spätangereister Spanier, die bis spät in die Nacht den Spanischen Nationalfeiertag betanzt haben. Solo Diego salu! Na dann Prost!

Tag 11 – Vilanova de Arousa – Teo – 10 KM

Um 11:00 war Aufbruch, zu einer 2 stündigen Bootsfahrt, den Rio Ulla flussaufwärts nach Padron, durch die größten Aquakulturen Galiciens, für Muscheln aller Sorten. 

Unser gesprächiger Bootsführer unterhielt uns während der Fahrt mit spannenden Geschichten über den Fluss und steuerte auch mal die Muschzucht-Bänke an, die sog. Bateas, Flösse aus Eukalyptus Holz an denen bis zu 500 Seile hängen, wo die Muscheln in dem sauerstoffreichen Flusswasser heranwachsen. Angekommen, ging es von da aus weiter in Richtung Teo, einer Tagesetappe von 10 KM, durch ärmliche Landschaften und Bauerndörfern mit noch genutzten Waschplätzen im Freien und den typischen Hórreos, den Maisspeicher Galiciens.

Der Abend gestaltete sich dann unspektakulär, in einer einfachen Unterkunft direkt an der  Hauptstraße mit einer typischen Galizischen Bar, voller alter Herrschaften, bei Sportfernsehen und Rotwein.

Tag 12 – Teo – Santiago de Compostella

Ankunft in SDC um  – 13:00. Endlich geschafft!

Nach einem kurzen Erkundungslauf durch die Stadt, hieß es sich so schnell wie möglich vor dem Pilgerbüro, in die gefühlte 3 km lange Schlange, einzureihen um sich die heiß begehrte Compostella abzuholen, die Pilgerurkunde. Wartezeit ca. 3 STD! Taktisch, routiniert, positionierte ich dort meine Mitpilgerinnen, während ich mich für das Herbeischaffen von kühlen Bierdosen und Sandwiches kümmerte.

Mein persönliches Fazit

Martin Luther  sagte einmal „Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt“, Ich bin es trotzdem, weder hinter einem toten Hund noch irgendwelchen Kochen her. Ich werde immer wieder gefragt welche Erfahrungen ich auf dem Pilgerweg gemacht habe, welche spirituellen Eingebungen ich hatte.

Man sagt ja, das den Jakobsweg ein Zauber umgibt, eine Art Magie. Etwas das seit vielen Jahrhunderten Menschen anzieht sich für eine gewisse Zeit, nur mit dem Nötigsten bepackt, auf eine beschwerliche Wanderung zu begeben. Und in der Tat, es ist so! Das tagelange, monotone laufen hat etwas meditatives, etwas beruhigendes.

Der Kopf ist frei, man hat Zeit sich und über viele Dinge, die sich bis dato im Ablagefach stapelten, Gedanken zu machen – Lösungen zu finden. Es sind die Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen, die entspannte Fortbewegungsmethode, die Kleinigkeiten – was einen immer wieder motiviert in den Morgenstunden aufzubrechen und los zu marschieren.

Auch Goethe betonte, „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ und genauso ist es. Das intensive Erleben von Eindrücken geht nur zu Fuß, das Einfangen von Bildern, Motiven und Begegnungen, all dies sind spirituelle Erfahrungen, die jeder anders wahrnimmt und verarbeitet.

Mit vielen Menschen mit denen ich seitdem gesprochen habe, die auch schon auf dem Jakobweg unterwegs waren, erzählen ähnliches, man sagt auch „Einmal Pilger, immer Pilger“. Die Sehnsucht aufzubrechen ist ein ständiger Begleiter im Alltag. Der eigentliche Weg, oder die eigentliche Reise beginnt aber erst, wenn man wieder zurück ist und damit anfängst, das Erlebte in sein tägliches Leben einzubauen.

In diesem Sinne bedanke ich mich für das „dabei“ gewesen zusein und freue mich, wenn es euch gefallen hat. Buon Camino!

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